Montag, 8. Februar 2010
Es gibt immer Gewinner
Egal, welche Zeit gerade ist, in welcher Situation man gerade steckt. Eine Wirtschaft. Eine Gesellschaft. Egal, wie gut oder schlecht es gerade läuft. Wo es Verlierer gibt, gibt es auch Gewinner. Verblüffen kann nur das Verhältnis. Dieses ist oft nicht gleich, sondern stark verschoben. Man hat das Gefühl, dass auf viele tausend Verlierer ein Gewinner kommt.
Das sind die Nebenwirkungen unseres Systems, das alles optimiert und das am liebsten alles mit Reduzierungen bewerkstelligt. Wer immer mehr Gewinn machen will, kann das nicht ewig aus Wachstum generieren. Irgendwann kommt der Punkt, an dem Märkte gesättigt sind. Die Gabe, auch in gesättigten Märkten mit Innovationen für immer neue Impulse zu sorgen, ist ein sehr seltenes Mittel, das nur vereinzelt zum Einsatz kommt.
Der große Rest macht das, was er am besten kann: sich den Gewinn ersparen. Und zwar am besten und am liebsten da, wo es einen selbst nicht betrifft. Das heißt, die Entwicklungskosten, die Herstellungskosten, die Betriebskosten, die Marketingkosten, die Vertriebskosten, die Versandkosten, die Personalkosten, die Rohstoffkosten, die Bestandskosten, die Energiekosten ... alle Kosten, die als Kosten erfasst werden, weit zu verringern – weit über den Punkt hinaus zu verringern, der für uns zu denken möglich ist.
Es ist wie ein Kartenhaus, aus dem man einzelne Karten herauszieht, immer mehr und mehr. Das Wunder ist nur, dass so viele Karten aus dem Kartenhaus gezogen wurden und werden, dass dieses offensichtlich längst hätte zusammenfallen müssen. Aber es fällt nicht. Warum, weiß ich nicht. Es fällt nicht zusammen. Warum fällt es nicht zusammen?
Freitag, 5. Februar 2010
Menschen, über die man besser nichts sagt
Wenn man über solche Personen spricht, über die man nicht sprechen sollte, dann bewirkt es in der Regel das Gegenteil dessen, was man eigentlich im Sinn hatte. Denn jede Art von Berichterstattung hat eine gewisse Aufmerksamkeit zur Folge. Im Internet kann man diese Spur sogar sehen und nachverfolgen – und sie bleibt bestehen.
Darum rede ich über bestimmte Menschen, Paare, Gruppen oder große Gruppierungen nicht, denn ich will diesen keine unnötige Aufmerksamkeit widmen. Zudem sind einige davon keine leichtzunehmenden Lebensgenossen. Ganz im Gegenteil.
Auf vielen Webseiten wird genau über diese Menschen geschrieben. Bei mir nicht. Oder über das, was diese Menschen tun oder wofür sie stehen. Man erregt sich. Empört sich. Haut drauf. Und? Nichts passiert. Außer, dass man dadurch selbst ins falsche Licht gerückt wird. Das Internet zensiert, ohne zu zensieren. Es sagt nicht, schreibe nicht darüber, aber wer ein wenig nachdenkt, der weiß, welche negativen Folgen das haben kann, wenn man es dann doch macht.
Das ach so freie Internet hat somit dann doch Grenzen, die man besser nicht überschreitet. Einige der zentralen Themen muss man auf einer solchen Internetseite kategorisch ausschließen, denn diese locken Traffic an, den man nicht wirklich will. Ich sage nur: Die Geister, die ich rief. Das Internet verändert das Schreiben – vor allem, wenn man gefunden werden will.
Gern würde ich mich über den einen oder anderen Zeitgenossen auslassen. Sicher würde das zu großer Erheiterung und Anteilnahme führen, aber ich lasse es besser. Schade eigentlich, denn mir fallen spontan einige ein, die ich gerne mal Buchstabe für Buchstabe zerlegen würde. Aber ich lass das. Wirklich. Oder? Ja!
Mittwoch, 3. Februar 2010
Der leise Abschied – Der Einzelhandel löst sich auf
Ich weiß nicht, wem es schon aufgefallen ist, aber der Einzelhandel gibt auf. Er kapituliert vor dem Internet. Es ist zwar kein geordneter Rückzug, aber es ist einer. So fallen einem Einzelhandelskonzepte auf, die einem nur noch Kopfschütteln abverlangen. Man spart an allem, was geht, um betriebswirtschaftlich überhaupt noch in die Nähe von so etwas wie Gewinn zu kommen.
Am meisten spart man an Ware. Es gibt keinen Warenbestand mehr, sondern nur noch so wenig Ware wie möglich, denn Ware bedeutet Kosten und Kosten kann sich im Einzelhandel niemand mehr leisten. Man stelle sich mal vor, ich war in vier Spielwarenläden, um ein Starwars-Kostüm für meinen Sohn zu kaufen und es gab in allen vier Läden zwei Wochen vor dem Höhepunkt des Karnevals, hier Fasching genannt, kein einziges Laserschwert mehr. Alle ausverkauft.
Somit bleibt mir nichts anderes übrig, als diese Dinge und alles andere eigentlich auch im Internet zu kaufen.
Das Zweite woran gespart wird, ist das Personal. Da gibt es Verkaufsflächen von über 2.000 Quadratmetern und da irren nur verzweifelte Eltern herum, die nichts finden. An der Kasse verstecken sich zwei Damen, eine davon ist in der Regel der deutschen Sprache nicht mächtig und diese begleitet eine große Angst, von Kunden angesprochen zu werden. Ich erspare ihr das, diesem letzen Mohikaner des Einzelhandels, und gehe unverrichteter Dinge.
Und auch hier spare ich mir im Internet die nicht vorhandene Fachhandelsberatung, denn die gibt es dort auch nicht. Doch mal ehrlich: was für einen Beratungsbedarf hat man beim Erwerb eines Laserschwerts? Keinen.
Zudem ziehen die größeren Läden immer mehr in billige Randgebiete, in den Innenstädten sind dann nur noch Pizzaläden mit Pizza zum mitnehmen anzutreffen oder andere seltsame Läden, die entweder nur Handys verkaufen oder Apotheken oder Bäcker sind. Es fällt auf, dass es davon jede Menge gibt. Wer also Tabletten und Brot braucht, der könnte auf das Internet noch eine Weile verzichten. Alles andere bekommt er schneller, einfacher, komfortabler und günstiger im Internet. Ein wenig schade, aber wenn man sich so sang- und klanglos, so ideenlos und kraftlos verhält, dann wird man zunehmend überflüssig.
Der Einzelhandel macht das wunderbar vor. Man fährt hin, sucht einen Parkplatz, zahlt stundenweise, läuft durch die Kälte, um in jedem Laden zu hören, haben wir nicht. Sehr amüsant ist das Angebot, das können wir bestellen. Das ist dann in ein paar Tagen, oder 14 Tagen, da. Meine Antwort lautete da nur: machen Sie sich keine Mühe, ich kann das auch bestellen und zwar im Internet, dann ist es in 24 Stunden da und zwar bei mir zu Hause und zwar das Beste und das auch noch günstiger.
Also, wenn es da draußen einen Einzelhändler gibt, der keine Lust hat, sang- und klanglos das Feld dem Internet so ganz ohne Ideen und Gegenwehr zu räumen, der kann sich ja mal bei mir melden. Mir fällt da bestimmt was ein. Ganz bestimmt. Ich muss nur den gesunden Menschenverstand einschalten, denn eigentlich gehen die Menschen ganz gerne mal einkaufen und bekommen, was sie wollen. Man bewegt sich, trifft ein paar Menschen und es ist auch sonst ganz schön. Denn so vor dem Rechner ist es doch ziemlich einsam und langweilig, auch wenn alles klappt.
Das könnte eine Chance sein.
iPad Keynote Kurzversion (big fun)
Ich weiß, alle lieben Apple und so ... aber das ist zum Piepen, nehmt's mit Humor.
Dienstag, 2. Februar 2010
Resistent
Wiederum gibt es Menschen, die es genau solchen dann doch beweisen wollen. Es scheint wie eine Lebensaufgabe, so etwas wie Veränderung oder Einsicht zu bewirken. Und so beginnt ein langer ausdauernder und intensiver Schlagabtausch, mit dem immer selben Ergebnis: Nichts hat sich bewegt, geschweige denn verändert.
Auch das liegt in der Natur der Dinge. Somit verwundert nur die Menge an sinnlos vergeudeter Energie, denn beide haben dabei unglaublich viel Energie und Zeit investiert und verloren. Und das wie zu erwarten ergebnislos.
Es scheint eine Art Beschäftigungstherapie. Da haben sich zwei gefunden, die diesen sinnlosen menschlichen Schlagabtausch brauchen, wollen, ja sogar genießen. Ich glaube, dass Menschen, die resistent sind, dies wie eine Sucht auskosten, pflegen und nähren. Denn diese offensichtliche geistige Unbeweglichkeit ist im Prinzip ja nicht unbeweglich. Sie muss sich ständig den Argumenten und Beweisen erwehren. Das ist aufwendig und anstrengend. Das ist fast so, als ob man sich in unzähligen Lügen zu verstricken droht. Man muss sich unglaublich viel merken, um seine Position aufrecht erhalten zu können.
Würden nun resistente Menschen diese Position einfach an den Nagel hängen und dieselbe Energie in andere produktivere Aspekte des Lebens investieren, käme das denselben und allen anderen mehr als zu gute.
Denn das einzig blöde an dieser resistenten Haltung ist, dass sie nichts Positives und Produktives schafft, sondern nur auf einem einzigen Standpunkt beharrt. Und ob es das wert ist, vermag ich zu bezweifeln.
Montag, 1. Februar 2010
Minus 26,5 Kilo
Mist! Natürlich hat er Recht. Das ist ja das Schlimmste an fehlender Konsequenz, vor allem bei einem selbst. Warum kann man sich um alles und alle anderen besser kümmern, als um sich selbst? Das ist und bleibt mir unerklärlich. Die Macht der Gewohnheit? Sicher.
Aber ist das bei solchen negativen Veränderungen wirklich ein aufrecht zu haltendes Argument? Nein. Sicher nicht. Vor allem, wenn man an alles andere Ansprüche stellt, die man offensichtlich nicht an sich selbst stellt. Das macht einen nicht nur unglaubwürdig vor anderen, sondern auch vor einem selbst.
Somit habe ich am 4. Januar angefangen, wieder der Alte zu werden. Der Alte ist wesentlich jünger, wiegt nur 79 Kilo, ist fit wie ein Turnschuh und genießt gerne, aber in Maßen. Dann ist es auch noch als Genuss zu bezeichnen. Alles andere ist Konsum, bis hin zu Sucht. Aber sicher nicht Genuss.
Ich habe ja mal geraucht, so ca. 20 Jahre lang, und im Jahr 2000 habe ich an einem Montag einfach aufgehört. Die Lust und die Argumente waren weg. Da wachte ich auf und wollte meiner Gewohnheit nachgehen und diese erschien mir plötzlich als so absurd, dumm und kindisch, dass ich es einfach nicht mehr machte. Seitdem habe ich keine Zigarette mehr geraucht. Was nicht heißt, dass ich nie mehr rauchen könnte, würde, sollte oder dürfte. Nein. Aber solange mir die Argumente fehlen, warum sollte ich es aus mir heraus wieder tun.
So in etwa hoffe ich, könnte es sich mit meinem Wechselspiel aus Bewegung, Ernährung und Alkohol verhalten. Bis dahin ist noch ein weiter Weg, aber auch hier gilt: die Hoffnung stirbt zuletzt.
Jedenfalls habe ich seit dem 4. Januar keinen Alkohol mehr getrunken. Es wird im Laufe der Zeit Ausnahmen geben und es wird auch wieder die Zeit kommen, wo der Genuss in Maßen wieder ein Teil meines Lebens sein soll, aber bis dahin kann ich auch ohne. Zudem habe ich angefangen, täglich Sport zu betreiben. Jeden Tag zwischen 1 Stunde Ausdauertraining und 1 1/2 Stunden, wenn Krafttraining dazu kommt. Das mache ich seit dem 12 Januar.
Das Ergebnis bis heute ist minus 11,1 Kilo in 26 Tagen. Und die Parameter verändern sich in die richtige Richtung. Muskeln kommen hinzu, Fett wird abgebaut. Das entwickelt sich alles ganz gut. Sein Leben einfach von passiv auf aktiv umzustellen, gelingt einem nur, oder einfacher, wenn das Umfeld mitspielt. Denn es gehört mehr dazu, als man denkt. Das Essen, das Kochen, das Einkaufen, der Sport, der ganze Tag und auch die Nacht verändern sich schlagartig.
Plötzlich muss man jeden Morgen eine Sporttasche packen. Und vieles mehr. Bis heute kann ich nur sagen, ich fühle mich auf dem absolut richtigen Weg und hoffe, dass es so bleibt. Denn ich wünsche mir die Energie und die Konstellation des alten Hintze zurück. Ich kann es gut gebrauchen.
Und ich hoffe, dass sich damit auch der Umgang mit allem, was mich tangiert, oder auch nicht, damit energetisch verbessert. Positiver. Das mich nicht mehr so viel runter zieht, sondern im Gegenteil. Somit kann ich nach dem Monat 1 schon mal sagen: es sind nur noch 15,4 Kilo zu gehen. Dann hätte ich mein Traumgewicht von 79 Kilo zurück. Und auch sonst müssen sich alle meine physischen und psychischen Parameter so verändert haben, dass ich den einleitend beschriebenen Anruf sicher vergessen habe.
Oder es mir nur noch ein „Danke“ entlockt.
Sonntag, 31. Januar 2010
Mutti kauft sich das iPad
Tut mir leid, liebe unbekannte Internetfreunde, aber ich muss die überwältigende Begeisterung für das iPad leider ein bisschen trüben. Hinter diesem Link lesen Sie, was man als Spielverderber über das iPad sagen könnte. Am Beispiel von Mutti, die einfach ein paar simple und ganz alltägliche Dinge mit dem Ding machen wollen könnte.
(arme Mutti)
Donnerstag, 28. Januar 2010
Einmal Imagepflege mit extra Glanz
Angenommen, ich wär eine Suchmaschine, die alles hortet, was sie an Daten kriegen kann. Die den Eindruck macht, als wollte sie sich alles an Medien einverleiben, was ins Internet passt. Der Privatsphäre im Zweifel wurscht ist. Aber man weiß es nicht, weil mans einfach nichts weiß. Ich hätte eine fast schon dämonisch coole Pressesprecherin, an der würde alles abperlen, und zwar unbeachtet und unbeantwortet abperlen, was an blöden Fragen zum Datenschutz und zum potenziellen Missbrauch von Nutzerprofilen kommen könnte.
Angenommen, ich wär eine Suchmaschine, die sich blöderweise auch sagen lassen müsste, dass bei Verknüpfung auch nur eines Bruchteils der Daten, die ich zur Verfügung habe oder haben könnte, jede Privatsphäre meiner Nutzer völlig dahin wäre. Aber völlig. Und dann hätte ich plötzlich das lästige Problem, dass viele mögliche Kunden meine tollen, funktionalen und natürlich kostenlosen Programme nicht nutzen würden, weil sie meinem Umgang mit dem Datenschutz nicht trauen. Die Leute würden zum Beispiel sagen: Nein, das Handy hol ich mir nicht, nein, den Browser nutze ich nicht, nein, das Betriebssystem kommt mir nicht ins Haus, weil ich nicht weiß, was die da mit meinen Daten machen.
Was könnte ich nun tun, um mein Image aufzupolieren?
Naja, ich könnte zum Beispiel in einem Markt, in dem ich eh viel zu wenig verdiene und der mich sowieso nervt, ganz heldenhaft und demonstrativ ein Exempel statuieren. Ich könnte dem dortigen Zensur-Regime Vorwürfe machen, dass sie böse sind, und damit drohen, dass ich mich aus dem dortigen Markt zurückziehe. Ich könnte das alles ein bisschen zu laut und öffentlich tun, so dass jeder Depp kapieren würde, dieses Regime ist böse und ich bin gut. Und dann würde plötzlich keiner mehr so richtig über mich nachdenken. Irgendwie wär das geil.
Sonntag, 24. Januar 2010
Alain de Botton
I have a dream – but not here ...
So macht man sich Freunde und bereitet anderen Freude. Man stelle sich mal vor, Martin Luther King hält eine der eventuell fünf wichtigsten Reden der Welt, die jemals in der Öffentlichkeit gehalten wurden. Reden, die für Freiheit, Gleichheit und Demokratie als Grundsatzrede zu bewerten sind. Nämlich diese: I have a dream!
Eine Rede, die für die Menschheit gedacht war und ist und zwar damals, heute und bis in alle Ewigkeit. Eine Rede, die mit dem Ausspruch „I have a dream“ bis heute einen Nachklang findet. Und diese Rede könnte man sich theoretisch immer und überall im Internet ansehen und anhören. Theoretisch. Wenn da nicht ein Unternehmen irgendwelche Rechte darauf hätte und deshalb diese Rede in Deutschland nicht öffentlich ist.
Wir reden über China. Wir reden über Zensur in anderen Ländern. Wann reden wir denn mal über unser Land? Das Land, in dem Menschen nicht die Rede von Martin Luther King sehen und hören dürfen, weil kommerzielle Rechte vor Grundrechten stehen.
Welche Rechte hat das Unternehmen an dieser Rede? Das wäre ja so, als ob ich mir das Grundgesetz schützen lasse und somit niemand mehr Zugriff darauf hätte. Ja, außer er zahlt dafür. Die Demokratie ist bei weitem nicht so sehr gefährdet durch Terroristen, viel mehr durch so etwas. Wenn wir nicht mal mehr die Idee, den Kampf, das Streben und den Weg dessen verstehen, sehen und erleben dürfen, auf dessen Fundament unsere Freiheit heute steht, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn es schon bald um unsere Demokratie schlecht bestellt ist. Denn Reden von Hitler zum Beispiel, die kann man problemlos sehen und hören.
Somit dient eine solche Situation dem Gegenteil, was uns Wirtschaft und Politik glauben machen wollen. Freie Marktwirtschaft. Soziale Marktwirtschaft. Diese Begriffe erscheinen in einem ganz anderen Licht, wenn man so etwas sieht. Es ist doch bedenklich, wenn Kinder Hitler hören können, aber Martin Luther King nicht. Und der Preis, den diese Menschen für unsere Freiheit bezahlt haben, ist hoch genug, dass sich heute daran nicht noch Unternehmen materiell bereichern können sollten.
Donnerstag, 21. Januar 2010
Christof Hintze und Hans Sigl Live. Am 6. März 2010 In der alten Brauerei in Stegen am Ammersee. Hintze und Sigl: Nichts bleibt wie es ist.
Das musste ja irgendwann passieren. Leider oder zum Glück – das wird sich noch zeigen. Einige warten schon seit über 15 Jahren darauf, dass ich diesen Entschluss fasse und es endlich mache. Ich selbst wollte eigentlich nie dem Versuch unterliegen, eventuell zu einer öffentlichen Person zu mutieren. Das Leben inkognito war und ist für mich immer erstrebenswerter.
Aber so ändern sich die Zeiten und was kümmert mich mein Geschwätz von gestern. Und eigentlich ist Hans schuld. Hans Sigl. Er ist ein Freund und zudem Schauspieler. Im Fernsehen. Er brachte den Stein ins Rollen. Als er an einem der vielen geselligen Abende die Idee auspackte: “Komm, wir machen ein Bühnenprogramm“.
Ich war zu diesem Zeitpunkt emotional nicht ganz stabil und reichlich Alkohol steuerte den Rest zum Übermut dazu, so dass ich wie selbstverständlich sagte: „Klar – machen wir.“
Wenn wir es am nächsten Tag einfach vergessen hätten, hätte ich mich auch nicht daran erinnert. Es wäre eine weitere der vielen Ideen gewesen, die schön klingen, denen man aber nicht mit der nötigen Konsequenz nach geht. Diesmal lag der Fall aber anders.
Nicht nur die wagemutige Idee war geboren, irgendwie gingen wir beide sicher davon aus, dass wir diese auch Wirklichkeit werden lassen wollen. Sogar im ausgeschlafenen, nüchternen Zustand! Es geht sogar noch weiter, denn ab diesem Zeitpunkt begann für mich die Vorbereitung. Diese verfolgt zwei Aspekte. Zum einen, mich körperlich in Form zu bringen. Denn was liegt näher, sich physisch und psychisch ins Gleichgewicht zu bringen, wenn man beabsichtigt, einer gewissen Öffentlichkeit zu begegnen. Also, wenn ich auf eine einsame Insel müsste, hätte ich mir sicher andere Vorsätze gemacht.
Somit habe ich mir bis zum 6. März Ziele gesteckt und natürlich darüber hinaus, in welchem menschlichen Format ich auf einer Bühne erscheinen will. Und ich arbeite hart daran, dieses bis dahin zu erreichen.
Der zweite Aspekt der Vorbereitung bezieht sich auf das Bühnenprogramm selbst. Denn wir beide können alles so machen und lassen, wie wir es wollen. Kein Management drängt uns. Keine Quote zwängt uns ein. Nichts. Was ihr wollt oder wie es euch gefällt. Das gefällt uns beiden am besten. So verzichten wir konsequent auf alles, was wir nicht wollen und versuchen, das ins Programm zu integrieren, auf das wir eigentlich gemeinsam heraus wollen.
Das Witzige daran, es ist wie bei Kindern, wenn man sie fragt: "Na, was wollt ihr spielen?" In der Regel kommt die Antwort: Weiß ich nicht. Zu viel Freiheit kann echt anstrengend und belastend sein. Es ist schon einfacher, wenn einem immer einer sagt, was man tun oder lassen soll. Hans hat sich zudem erbarmt, mich bei meinen körperlichen Zielen zu unterstützen. Das rechne ich ihm hoch an, denn seine Zeit ist auch knapp bemessen.
Meine und Hans Gedanken zum Bühnenprogramm waren erst etwas vernebelt, werden aber von Tag zu Tag klarer. Warum macht er das? Vor allem mit mir? Er ist erfolgreicher Fernsehschauspieler und ich ewig kämpfender Werber. Ich habe die kritischen Gedanken irgendwann einfach bei Seite geschoben und mir gedacht – das ist eine Chance. Nicht mehr und nicht weniger. Und es ist eine gute, denn ich habe einen Profi und Freund an meiner Seite und ich selbst bin sicher nicht auf den Mund gefallen.
Das wirklich interessante an unserer Idee: Es ist wie Soufflé zubereiten. Das kann gelingen, muss aber nicht. Denn wir wollen die Gewohnheiten außer Kraft setzen. Diese einstudierten Programme. Diese Witzeerzähler zum einen und zum anderen die Promotoren für neue Bücher und Filme und alle die, die so gern im öffentlichen Glanz erscheinen. Denn eigentlich ist das Gespräch das zentrale und wichtigste Kommunikationsmittel. Das Sprechen. Das sprechen darüber. Und das miteinander sprechen. Die höchste kulturelle Form der menschlichen Kommunikation ist das Gespräch.
Und jeder weiß, was nicht sprechen oder nicht miteinander sprechen für Folgen hat. Meist negative. Und es gibt eine Reihe von Gedanken, Themen, Gefühlen, Ängsten, Befürchtungen, Lust und Lustigem, über das sich das Reden lohnt. Nicht nur für einen selbst, sondern auch für das Gegenüber.
Ich nenne das reflexartige Reflexion in seiner höchsten Form. Einfach seiner Plausibilität folgen und vertrauen. Seinem gesunden Menschenverstand eine Ausdrucksform zu verleihen. Das Leben reflektieren scheint mir sehr wichtig. Alles nicht einfach geschehen lassen, sondern reflexartig zu fragen: Was soll das? Was ist das? Was bedeutet das? Was kann das? Wer ist das? Wie ist das? ...
Ich habe das aus Spaß und Lust zu einem Hobby gemacht. Selektive Wahrnehmung. Nicht mehr nur das Große und Ganze wahrnehmen, sondern alles im Detail zu zerlegen. Immer mehr und immer tiefer. Mir bereitet das eine unglaubliche Freude und ich mache das schon ca. 40 Jahre. Schon als Kind bin ich den Sachen auf den Grund gegangen und das Interesse an den Dingen des Lebens brennt bis heute in mir.
Das ist das Potential, das auf der Bühne zur Entfaltung kommen soll. Ja, aber wenn ich auf unerwartete Hindernisse treffe, wie z.B. eine Blockade oder so. Aber das kann ich mir nicht vorstellen. Dafür kommuniziere ich wirklich zu gerne.
Mit Hans an meiner Seite habe ich viele Vorteile auf einmal. Der wohl größte, wir ticken gleich laut und in die gleiche Richtung. Wir spielen uns die rhetorischen Bälle mit sehr großer Lust und noch mehr Spaß zu. Das hat man nicht oft und deshalb scheint das ein großes gemeinsames Potential zu sein. Ob es zum Tragen kommt, wird sich zeigen.
Zum anderen ist er mit der Bühne bekannt, mit Publikum, mit allen Weg- und Unwägbarkeiten der Bühne. Das sollte mir eigentlich Sicherheit geben. Und der größte Trumpf, er ist ein Freund und somit gibt es ein Urvertrauen, dass – egal, wie es läuft – wir das überleben.
Ich freue mich wie ein Kind darauf. Denn, was wir machen und wie wir es machen wollen, finde ich fantastisch. Und ich hoffe, dass der Funke auf das Publikum überspringt und auch der unglaubliche Spaß, den wir beide dabei haben. Also, am 6. März 2010 ist es dann soweit. Premiere. Hintze und Sigl. Nichts bleibt wie es ist. Wir freuen uns. Vor allem auf unser Publikum.
Ach so Karten gibt es hier: Alte Brauerei Stegen am Ammersee.
Und eine Webseite gibt es natürlich auch: www.hintzeundsigl.net
Ach so, was machen wir überhaupt? Wir geben einen LIVE-SATIRE-TALK zum Besten.
Dienstag, 19. Januar 2010
"Mann, ist das münchen!"
Hiermit beantrage ich Wortgebrauchsmusterschutz für die Verwendung des Wortes "münchen" als prädikatives Adjektiv.
Bedeutung: "münchen" ist alles, was nach vorne schön schicki tut, in Wahrheit aber nur fauler Zauber ist.
Beispiele: Moosi, der Tolle, kauft sich Straßenjungs, ganz erbärmlich. Hohlmeier (ich meine, da sagts schon der Name), die Tolle, und ihre Affären in der Zeitung, ganz ganz arm. Seehofer, der Familienmensch, müssen wir nicht drüber reden. Überhaupt, das ist das beste Beispiel: Du sagst einen beliebigen Namen, und jeder winkt ab, ach der, ach die! Weiß doch sowieso jeder, wer oder was gemeint ist. Mehr Stichworte:
- Transrapid, ist das nicht münchen? Ja klar ist das münchen.
- Erinnert sich noch jemand an die Landeswohnungs- und Städtebaugesellschaft LWS? Das ist voll münchen!
- Siemens, vor drei Jahren oder so (warum hat uns das nicht so richtig überrascht damals?), das ist auch ziemlich münchen.
- Das Phänomen ist übrigens ansteckend: Wer von woanders nach München kommt, ist garantiert innerhalb kürzester Zeit bestimmt ganz münchen im Kopf (Fußballjungs zum Beispiel).
- Thielemann, die lächerliche Posse, als deren Ergebnis eine Rotte Hausmeister über einen Ausnahmedirigent siegt, die ist so was von münchen!
- Schwul sein, aber durch die Bank, und sich ja nichts anmerken lassen (bis man erschlagen wird), das ist total münchen.
- Das ganze ist Bauerntheater und Bauerntheater ist natürlich auch: Absolut münchen.
Montag, 18. Januar 2010
Unwissenheit schützt vor Fehlern nicht
Man kann es den meisten Menschen nicht verdenken, dass sie keine Ahnung haben und schon völlig begeistert sind, wenn sie bei Amazon ein Buch bestellen können oder sich das Wetter der nächsten Tage ansehen. Somit scheint es eine große Diskrepanz zu geben zwischen den Vielen, die sich nicht auskennen und den Wenigen, die sich unglaublich gut im Internet auskennen.
Es ist wie immer. Damals konnten die meisten keinen Videorekorder programmieren. Das konnten nur ganz wenige. Alles was technologisch und in der Entwicklung ziemlich weit vorne rangiert, ist der Masse völlig unbekannt oder nur in kleinen Teilen.
Aber das bleibt nicht immer so. Zwei Generationen weiter, ist das alles selbstverständlich. Zwei Generationen sind aber nicht mehr 50 Jahre, sondern 10. In 10 Jahren lachen sich viele kaputt darüber, was heute der Stand der Dinge ist. in 10 Jahren ist technologisch so viel passiert und hat sich viel verändert.
Somit muss man der Entwicklung nicht folgen, wenn man ungefähr 10 Jahre davor ist, sich aus einem Gebiet auszuklinken. Aber sollte es über den Zeitraum hinausgehen, dann steht man ganz schön blöd und mit leeren Händen da.
Das Beeindruckende ist, wie schnell der Wandel sich vollzieht. Alle, die jetzt 10 Jahre alt sind und in 10 Jahren somit 20 Jahre alt sind, haben völlig andere Gewohnheiten als Menschen, die heute 50 Jahre alt sind und in 10 Jahren somit 60 Jahre sind. Herausforderung wird es sein, dass diese Menschen sich in der entwickelten Welt zurechtfinden und bewegen können. Das wird eine sehr große Aufgabe. Was den neuen Generationen mit in die Wiege gelegt wurde, bleibt der älteren fast völlig verborgen.
Somit sind gravierende Managementfehler wie bei Quelle nicht zu vermeiden. Ich gehe sogar weiter, dass auch Politik, Medien und Religion hier sehr große Fehler machen und nicht Schrittmacher der Entwicklung sind, sondern Blindgänger oder sogar Bremser. Die Dimension der Entwicklung führt sich keiner vor Augen, weil es sich keiner vor Augen führen kann. Denn zum einen fehlt die Zeit und zum anderen das Verständnis. Somit sind Fehler vorprogrammiert.
Interessant wird die Kommunikationslücke, die entsteht zwischen Botschaften, die auf alten Wegen niemanden mehr erreichen werden und neuen Botschaften, die in aller Munde sein werden. Die Macht der Manipulation, der Beeinflussung, der Meinungsmache, der Meinungsbildung wechselt komplett den Absender. Und wer will die Zurückgebliebenen, die ewig Gestrigen, die Befürchter, die Bewahrer, die Zögerlichen, die Bedenkenträger in der anderen neuen Welt.
Denn in der neuen und anderen Welt des Internets, ist man da, angekommen, akzeptiert, man ist wer, stellt was da, hat was zu sagen und zu zeigen. Man ist nicht anonym, man gehört zusammen. Die Größe, Intensität und Geschwindigkeit, in der im Internet Gemeinschaften entstehen und wachsen können, stellt alles andere in den Schatten. Die Bedürfnispyramide von Gesellschaften wird auf den Kopf gestellt, denn es entstehen eigene und neue.
Dynamik und Energie nur da aufzubringen, wo man für sich etwas Materielles erzielen kann, findet immer seltener und schwächer statt. Im Internet kann man Utopien leben, Anarchie erleben, Träume verfolgen, neue Wirklichkeiten und Wahrheiten finden.
Der Filter von Politik, Religion, Wirtschaft und Medien ist ausgeschaltet. Da wächst ein Medium heran, das genau so schlecht und so gut ist wie der Mensch selbst. Die Entwicklung überrennt und überrollt alles. Es gibt nicht mal die Zeit einzugreifen. Leider kann man sich nicht mal mit Kritik inhaltlich auseinandersetzen, weil keiner, mit dem man reden müsste, Ahnung hat.
Somit ist dieser Ball ins rollen gekommen. Und er rollt. Und rollt. Und wird dabei immer größer und schneller. Und er wird immer mehr mit auf seine Reise und Umlaufbahn nehmen. Alles, was ich heute denke, hätte ich mir vor 5 Jahren nur schwer vorstellen können und vor 10 Jahren schon mal gar nicht.
Warum soll sich das bei der Geschwindigkeit verändern? Was soll diese Entwicklung bremsen, geschweige denn stoppen? Vielleicht wissen wir es ja in 10 Jahren.
Donnerstag, 14. Januar 2010
Über das eine Sparen, das andere Sparen und das ganz andere Sparen
Das steht aber im Widerspruch mit dem, was die Politik und die Wirtschaft von ihren Bürgern und ihren Kunden ganz offenkundig verlangt: Spart nicht, sondern konsumiert. Schiebt die Konjunktur dadurch an, indem ihr konsumiert. Jetzt bloß nicht sparen, sondern investieren.
Im Gegensatz dazu sparen aber alle in der Politik und in der Wirtschaft. Das machen sie auch, um die Wirtschaft und das Wachstum anzukurbeln. Konzerne haben eine ganz besondere Art des Sparens entdeckt. Man spart nicht bei sich selbst, sondern an der Leistung anderer. Also man spart, indem man dieselbe Leistung immer billiger einkauft. Das ist laut Definition eigentlich nicht Sparen, sondern dafür muss man im Alphabet weiter vorne suchen. Unter „A“ findet man dann den Begriff „Ausbeutung“. Wenn man sich diese Definition durchliest, versteht man, was die Wirtschaft unter Sparen versteht. Wenn man mit der eigenen Leistung kein Geld mehr verdienen kann, dann muss die Rendite eben woanders herkommen, in der Regel von den Lieferanten. Aber es leiden nicht nur die Lieferanten, sondern auch die eigenen Leistungen, denn diese müssen letztendlich bei immer billiger werdender Zusammensetzung leiden.
Aber solange die Rendite für die Wenigen stimmt, nimmt man das billigend in Kauf. Und sparen klingt eben besser und gesünder. Es kling so überlegt, wenn man von seinem selbst verdienten Geld etwas für später beiseite legt.
Die perverseste und obskurste Definition von Sparen hat aber die Politik geschaffen. Da bedeutet Sparen, dass man mehr Geld ausgibt als man hat, um in Zukunft weniger Schulden zu haben. Was aber zum immer gleichen Ergebnis führt: es werden immer mehr Schulden. Somit spart der Staat nicht, um Schulden zu verringern, sondern wenn er an einer Stelle spart, holt er sich das doppelt und dreifach woanders zurück. Aber der Öffentlichkeit versucht man, das als Sparen zu verkaufen.
Somit haben wir drei Definitionen von Sparen im Umlauf, von der nur eine zutrifft. Die anderen zielen auf etwas völlig anderes ab. Die eine meint Ausbeutung und die ander meint Bereicherung. Somit muss man sehr vorsichtig sein, wenn Politik und Wirtschaft von Sparen reden, denn die meinen was anderes.
Man kann nur sparen, wenn man etwas von seinem eigenen Geld spart. Und das tun in unserem Land eigentlich nur noch Menschen im Alter bis zu 7 Jahren. Die haben mehr Geld in den Sparschweinen, als der Staat zur Verfügung hat.
Somit müsste man einen Wortschutz einführen, dass man ein Wort wie „Sparen“ nur benutzen darf, wenn dieses mit der Definition übereinstimmt. Sonst müssen die Verwender, die fälschlicherweise Wörter benutzen, um sich in einem anderen Licht darzustellen, unter Strafe gestellt werden. Wenn man jedesmal nur 5 EUR zahlen müsste für jedes absichtlich falsch benutzte Wort, hätten wir sehr schnell so viel Geld in den Kassen, dass man ganz schnell einen 6-Jährigen zum Finanzminister ernennen müsste. Dann würden wir nie mehr in eine so beschissene wirtschaftliche Lage kommen.
Als Wirtschaftsminister würde ich einen normalen Familienvater aus Dortmund vorschlagen. Auch auf die Gefahr hin, dass er BVB-Fan ist. Aber wer seine Familie in solchen Zeiten immer wieder ohne großen Schaden durchmanövriert, ist sicher geeigneter als alle, die sich da bewerben.
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